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Schweißtreibende Umsetzung

Erstellt von Ebony, 17.08.2014, 00:00 Uhr · 10 Antworten · 2.083 Aufrufe

  1. #1
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    Schweißtreibende Umsetzung

    Hi,

    ich hab es letztendlich geschafft, meine furchtbar bissige, drohende...Moment, falsches Tier.
    Also ich hab gestern meine H. lividum umgesetzt und ja, es war doch nicht so einfach, wie ich dachte.
    Im neuen Behältnis kann sie noch ein paar Jährchen verweilen, wenn nicht sogar ihr Leben lang.
    Ich öffnete den Deckel ihres alten Heims und fragte mich, wo sie gerade stecken könnte - leider konnte ich nicht mehr so leicht die Spinne samt "Nest" umsetzen, da sie einfach zu groß geworden ist. Hatte einen Tag zuvor das neue Behältnis geflutet und abtropfen lassen (muss sagen, der Lötkolben hat sich echt gelohnt ;P Kam eine Menge Wasser raus).
    Es ist minimal schmaler als das alte, hat aber doppelt so viel an Höhe (ca. 40 cm).
    So, nachdem die "Scheiben" nicht mehr beschlugen, dachte ich mir, jetzt kannste sie eigentlich umsetzen.
    Leichter gesagt, als getan.
    Ich hab zunächst ihr "Nest" oben am Eingang abgetragen (in der Hoffnung, sie würde vielleicht dort drin sitzen, aber das ist natürlich ein blödsinniger Gedanke).
    Danach ganz vorsichtig mit der Rückseite der Pinzette rumgefuchtelt und abgetragen - die Spinne an sich war nun vergraben, aber so, wie ich sie kenne, würde sie eh versuchen, sich rauszubuddeln.
    Es passierte aber nichts...habe mir dann Plastik als Untergrund besorgt und die Erde dort hineingeschüttet (mittlerweile dachte ich mir, dass sie irgendwo ganz unten war). Dort geschaut, ob sie drin ist, war sie nicht...und dann sah ich auf einmal ihre Beine ganz unten unter einer Erdschicht hervorlugen.
    So, was nun? Man kann ja schlecht eine Heimchendose überstülpen, wenn nur die Beine zu sehen sind...Erde abtragen wollte ich auch nicht mehr, da ich Angst hatte, sie dabei zu zerdrücken. Also vorsichtig anstupsen...was danach geschah, hätte ich mir so nicht ausgemalt. Sie ist nicht etwa vorsichtig rausgegangen, sondern rausgeschossen. Ich hielt noch die Heimchendose über ihr, aber die hat sie erstaunlich galant ignoriert und in der nächsten Sekunde saß sie auf meinem Arm und machte keine Anstalten, sich zu beruhigen. Das ist echt Sekundensache, da bin ich machtlos gegen - im selben Moment, in dem ich die Heimchendose über sie stülpen wollte (auf meinem Arm), umging sie diese einfach und schoß an mir hoch. Ich konnte sie dennoch einfangen, aber sie schoß auch aus dem neuen Terrarium und ab da wurde es abenteuerlich.
    Ich dachte mir nur, ja klasse, da hast du im Forum noch geschrieben, wie einfach das sei...und nun hat das Mistvieh ellenlange Beine.
    Sie kletterte wieder an mir hoch und ich merkte, wie sie in meinem Nacken saß und schließlich auch in meine Haare kroch - da bekam ich Panik, aber nicht, weil ich es unangenehm fand, sondern weil ich mich fragte, wie ich sie da wieder rausfusseln sollte. Ich hab dann mit der Heimchenbox so lange auf meinen Kopf "geschlagen", bis dieses kribbelnde Gefühl weg war.
    Dann wagte ich es, mich umzudrehen und mich von hinten im Spiegel anzuschauen. Sie saß auf meiner rechten Schulter und bewegte sich nicht. Ich bin kein Akrobat, aber irgendwie gelang es mir, sie da runter zu holen.
    Ich war froh, sie in Sichtweite zu haben...also noch einmal die Heimchenbox-Methode. Diesmal hatte ich ja die Gelegenheit und stülpte die Box über sie, ohne darauf zu achten, ob sie nun ausrastet, oder nicht. Ich hab dann so lang mit der Box "rumgemacht", bis sie sicher in der Heimchendose war - aber auf dem Rücken kann man schlecht noch den Deckel draufmachen, also rechnete ich damit, dass sie mir wieder abhauen würde. Das tat sie jedoch nicht...ich benutzte wieder einen Arm als Puffer und für alle, wenn ihr jetzt noch denkt, diese Spinne sei bissig, kann ich nur sagen, dass es nicht so ist, das Problem ist nur ihre Schnelligkeit.
    Sie blieb in der Heimchenbox und ich konnte sie dann endlich ins neue Heim lotsen...und auch dort musste ich aufpassen, dass sie nicht etwa rausschießt, während ich sie einsperre.
    Also es war übrhaupt nicht einfach ;P
    Aber zum Glück hat sie sich mit meinem Körper begnügt, hat nicht zugebissen und ist auch nicht hinter einem Schrank verschwunden.
    Mir ist es fast schon peinlich, das zu erzählen, aber ich habe mir das trotzdem in etwa so vorgestellt Es ist ein unkontrollierbares und schnelles Mistvieh. Man kann ihr nur Körperfläche als Fluchtmethode bieten, damit sie nicht hinter einen Schrank läuft oder sich sonstwo versteckt.
    Nun kann sie sich erst mal eingewöhnen. Übrigens ist sie wirklich wunderschön
    Ich muss dazu sagen, dass das Ganze nicht länger als 5 Minuten gedauert hat - nicht, dass man mir vorwirft, ich hätte die Spinne gestresst Mir kam es natürlich sehr viel länger vor...;P

    lg


  2. #2
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    Gruselige Geschichte! Das wünscht man keinen. Haste Dich tapfer geschlagen und als Langhaariger kann ich die rüde Aktion vollkommen nachvollziehen. Wobei so ne schöne Haplopelma-Röhre auf dem Haupte...

    Bei flinken Röhrenbewohner hab ich mir ne eigene Methode gebastelt, die sicher auch so manch anderer benutzt. Jedenfalls habe ich als Umsetzbehälter eine Krümelteedose hergerichtet. Sie ist im Grunde wie die Krümelteedosen als Aufzuchtbehälter - mit einem Unterschied: sie hat am Boden in der Mitte ein Loch.

    Durch diese Loch kann man einen Halm oder etwas anderes dünnes durchschieben und damit die Spinne locken. Ich benutze dafür einen langen mit Plastik ummantelten Draht, wie man sie auch Frühstücksbeutel benutz und dergleichen.

    Diese Methode hat wunderbar funktioniert, als ich die Scopula meiner H. longipes fotografieren wollte, um herauszufinden, ob sie longipes oder lividum ist.
    Die Dose stellt man einfach auf die Röhre und fummelt mit dem Halm rum. Darauf kommt die Spinne in die Dose und man kann bequem zu machen. Die longipes war furchtbar hektisch in der Dose und wäre sicher auch ein Kandidat für solche Spirenzchen, aber mit Dose ziemlich stressfrei.

    Gruß

    Christopher

  3. #3
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    So ihr beiden

    Und nun stellt Euch einen Anfänger in dieser Situation vor ich bin mir nicht sicher, ob die Spinne das auch bei ihm überlebt hätte... Deswegen meine generelle Zurùckhaltung, Haplopelma, einem Neuling ans Herz zu legen. Die Tiere beißen sicherlich nicht so schnell zu, aber mit Vorsicht und etwas Erfahrung muss man sie schon handhaben...

    LG

    Steffen

  4. #4
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    Deswegen sage ich ja: wer sich das zutraut und mit der nötigen Vorbereitung. Jeder Anfänger kann das auf die Art machen. Und streng genommen, bin ich auch Anfänger und habe damit kein Problem.

    Ich sag ja nicht, dass für manche oder gar viele das ohne Probleme wäre. Ich hab auch gar nix dagegen, solche Berichte offen und ehrlich zu bringen - im Gegenteil. Eine Haplopelma oder auch ne maculata wird man nie "ruhig" oder "bedächtig" reden können.
    Aber letztlich ist alles nur eine Frage der Vorsicht. Je ehrlicher man das beschreibt, desto eher kann ein Anfänger sich drauf einstellen. Und kaum eine Brachypelma wird darauf vorbereiten können, was Ebony mitgemacht hat. Auch 10 Jahre Haltung nicht. Damit umgehen lernt man nur am Tier und in der Situation.

    Und nebenbei gibt es bei den lustigen Geschichten über Vogelspinnen auch eine von einer Avicularia, die aus dem Terrarium den Arm hoch ist. Daher macht es keinen Sinn, Anfänger pauschal von einer Art oder gar Gattung abzuraten. Es ist immer nur das Tier und die Situation, das entscheidet.

    Gruß

    Chris

  5. #5
    z.Zt. gesperrt
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    Zitat Zitat von Blacksaidwhite Beitrag anzeigen
    Ich sag ja nicht, dass für manche oder gar viele das ohne Probleme wäre. Ich hab auch gar nix dagegen, solche Berichte offen und ehrlich zu bringen - im Gegenteil. Eine Haplopelma oder auch ne maculata wird man nie "ruhig" oder "bedächtig" reden können.
    Aber letztlich ist alles nur eine Frage der Vorsicht. Je ehrlicher man das beschreibt, desto eher kann ein Anfänger sich drauf einstellen. Und kaum eine Brachypelma wird darauf vorbereiten können, was Ebony mitgemacht hat. Auch 10 Jahre Haltung nicht. Damit umgehen lernt man nur am Tier und in der Situation.

    Chris
    hallo,ich sehe das ganz genau so...als ich das erste mal einen sling umgesetzt habe hatte ich riesige angst das er abhaut oder ich ihn zerdrücke o.Ä...
    aber jetzt setze ich mich vor die badewanne und gehe das ganz entspannt an...
    und wenn dann doch mal einer den arm hochläuft wird er ganz langsam mitm pinsel in richtung dose gescheucht und denn ist gut...aber als ich meinen blauzahn ausgebuddelt hab war ich auch ganzschön am schwitzen
    @ebony:an deiner stelle hätte ich mich bestimmt in die badewanne gesetzt und gewartet bis sie von mir runtergekrochen ist um sie dann einzufangen..

  6. #6
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    Ich muss sagen, ich bin froh, dass die Antworten so nett sind, ich hatte ernsthaft mit peinlich berührtem Kopfschütteln gerechnet
    Aber dachte mir trotzdem, ich teil die Erfahrung mal mit euch
    Also das schlimmste an der ganzen Sache war diese mangelnde Kontrolle, ich hatte ständig die Befürchtung, eine falsche Bewegung zu machen, da man sie am T-Shirt nicht mehr richtig spürte. Das Gesicht wär mir auch tausendmal lieber gewesen als der Hinterkopf... Aber da war es anscheinend kuscheliger.
    Naja und das mit der Badewanne ist auch so ne Sache...ich war ja froh, dass sie sich nicht mehr bewegte

    lg

  7. #7
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    Hallo Ebony!

    Ich finde Dein Bericht hat nur Anerkennung verdient - schließlich helfen nur geteilte Erfahrungen im Umgang mit Achtbeinern
    Und den langjährigen Halter möchte ich mal sehen, dem noch nie einer seiner Schützlinge stiften gegangen ist!

    LG

    Steffen

    Ich hab übrigens vor Jahren ne ähnliche Geschichte erlebt: da waren meine Großeltern zu Besuch und Oma viel sofort der leere Trinknapf in der Faunabox meiner juvenilen P. ornata auf... Ich habe ihr zwar eingeschärft, dass sie die Finger von den Boxen lassen soll und dass ich mich um frisches Wasser kümmere aber als ich vom Einkaufen später am Tag zurück gekommen bin - betretene Gesichter bei den Großeltern... Auf meine Frage, was passiert sei, kam dann das Geständnis:

    "Ach die Kleine hat mir so leid getan und ich wollte ihr doch nur frisches Wasser geben..." Was Oma jedoch nicht beachtet hat, als sie den Deckel der Faunabox lüftete, die 5 cm ornata entspannte gerade kopfüber an der Decke. Kurzum: Oma und Spinne gleichermaßen voreinander erschrocken - die eine lässt den Deckel fallen, die andere rennt los als gäbe es kein morgen...

    "Gerhard, komm schnell!" Opa kam, erkannte die Gefahr und packte die ornata mit seinen bloßen Händen und schmiss sie zurück in die Fauna-Box...

    Als ich die Geschichte hörte, war ich doch sehr erleichtert, dass die Spinne in dieser Notlage nicht zugebissen hat, wer weiß, wie das hätte enden können (und dabei machte ich mir an erster Stelle Sorgen um den 80jährigen Großvater). Ich vermute, dass Tier war wohl so verdutzt, dass es jemand wagt, sie in der Faust einzufangen, dass sie das Beißen sclichtweg vergessen hat oder Opis schwielige Berarbeiter/ Gartenarbeiter-Hände waren undurchdringlich.

    Naja, nach einem ausgiebigen Aufklärungsgespräch, ist den Beiden der Ernst der Lage nun bewusst und seitdem werden die Tiere in Ruhe gelassen

    LG

    Steffen

  8. #8
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    Moin
    Ebony schöner Berich, ich denke auch das dies "fast" jeden das ein oder andere mal passiert ist, mir "indirekt" auch schon über 100 mal, ich hatte 2012 Nachzuchten von Psalmopoeus reduncus im Larvenstadium und etwa die Hälfte davon hatte sich am selben Tag noch in N1 gehäutet, als ich am Abend nachschaute wie viele es denn jetzt schon in N1 geschafft haben, habe ich dummerweise den Deckel des inkubators nicht verschlossen, am nächsten Morgen schaute ich nicht schlecht als ich überall die kleinen rumlungern sah.
    Interessanterweise befanden sich die Nymphen alle in Bodennähe, selbst ein paar Larven haben es hinaus geschafft, allerdings weiß ich bis heut nicht ob ich alle wieder eingefangen habe, wundern würde es mich nicht wenn irgendwo irgendwann ne Adulte P. reduncus mir überm Weg läuft, aber da es ja mein eigenes Haus ist ............ Nicht so schlimm.

    Mir ist auch schon mal eine Ca 4cm kleine Thrixopelma ockerti, als ich ihr Terrarium bewässern wollte voll auf die Stirn "gesprungen" und blieb wie versteinert dort sitzen.

    Gruß driton

  9. #9
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    Haha, was für Geschichten!

    Am schärfsten ist ja Steffens Opa. Da sieht man, beherzt und mit Mut, dann geht alles gut.

    In Sachen augesbrochener Nachwuchs hab ich von einem Züchterpärchen gehört, wie deren villosella-Nachwuchs stiften gegangen ist. Sie hatten vergessen die Lüftungslächer mit Damenstrumpf zu sichern. Sie haben noch Monate später Tiere in anderen Terrarien gefunden, wo sie rein sind - sogar noch im Bett bei sich. OO

    Gruß

    Chris

  10. #10
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    Zitat Zitat von Blacksaidwhite Beitrag anzeigen
    Am schärfsten ist ja Steffens Opa. Da sieht man, beherzt und mit Mut, dann geht alles gut.
    Ziemlich heldenhaft... Aber zum Glück ist ihm nichts passiert! Hätte mir nach dem Bericht auch erst mal Sorgen gemacht und seine Hände untersucht

    lg

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